Definition Serendipity

„Serendipity is when you find things you weren’t looking for because finding what you are looking for is so damned difficult.“ Erin McKean (2007)

Eine knackige Definition des schwierig zu übersetzenden Begriffs Serendipity. In ihrem äußerst unterhaltsamen Bestreben, das Wörterbuch neu zu definieren („Erin McKean redefines the dictionary“ – Talk bei TED, 2007) gesteht Erin McKean diese Eigenschaft – scherzhaft – den „überholten“ Wörterbüchern aus Papier zu.

Bei Folksonomien wird diese Eigenschaft oft positiv hervorgehoben, z.B. in den Überlegungen von Adam Mathes (2004):

„The first is serendipity. While the controlled vocabulary issues discussed above may hamper findability, browsing the system and its interlinked related tag sets is wonderful for finding things unexpectedly in a general area. […] There is a fundamental difference in the activities of browsing to find interesting content, as opposed to direct searching to find relevant documents in a query. It is similar to the difference between exploring a problem space to formulate questions, as opposed to actually looking for answers to specifically formulated questions.“

Inwiefern Serendipity bei Folksonomien von Nutzern nun eher als hinderlich für die eigentliche Informationssuche gesehen wird, oder als vorteilhaft, sehe ich als wichtiges Forschungsthema. In dieser Hinsicht kann ich mich nur Mathes (2004) anschließen, der qualitative Untersuchungen und Vergleiche mit anderen Klassifikationsmethoden vorschlägt, anstatt formalisierter Retrievaltests mit vorgegebenen Informationsbedürfnissen, Anfragen und nachträglich als dazu relevant oder nicht-relevant bewerteten Ergebnissen.

Aber die Hauptsache ist und bleibt doch: Serendipity macht einfach Spaß! ;-)

Verweise:

Mathes, Adam (2004). Folksonomies – Cooperative Classification and Communication Through Shared Metadata.  http://www.adammathes.com/academic/computer-mediated-communication/folksonomies.html, Abruf: 04.03.2008

McKean, Erin (2007). Erin McKean redefines the dictionary | Video on TED.com. http://www.ted.com/talks/lang/eng/erin_mckean_redefines_the_dictionary.html, Abruf: 26.08. 2009.

COinS im lokalen Katalog

Eine schöne Neuerung: Der lokale OPAC-Katalog der Universitätsbibliothek Hildesheim wurde im Hintergrund überarbeitet. Ein genauerer Blick in den Quelltext der Seite fördert eine zusätzlichen Darstellung der Titel im COinS-Format (Wikipedia) zutage. Die Titelangaben sind zusätzlich im HTML-Text der Seite im Titel eines span-Elements versteckt und können dort vergleichsweise einfach von anderen Programmen und Diensten maschinell ausgelesen werden. Hier ein Beispiel aus dem GBV-Wiki:

<span class="Z3988"
title="ctx_ver=Z39.88-2004
&rft_val_fmt=info: ofi/fmt:kev:mtx:journal
&rft.title=Ariadne
&rft.aulast=Chudnov
&rft.atitle=Opening+up+OpenURLs+with+Autodiscovery
&rft.issue=43
&rft.issn=1361-3200
&rft.date=2005-04
&rft_id=http://www.ariadne.ac.uk/issue43/chudnov/"></span>

Beispielsweise können die beiden Programme Zotero und Citavi zur persönlichen Literaturverwaltung  etwas mit diesen Angaben anfangen: Die Literaturangaben zu dem jeweiligen Eintrag lassen sich einfach per Klick aus dem OPAC übernehmen und innerhalb der Anwendungen weiterverwenden.

Diese Option gab es vorher bereits im GBV Katalog, und wird jetzt anscheinend auch für die lokalen Kataloge „ausgerollt“. Leider wurde im Zuge der Ausstellung auch das sonstige MarkUp der Einträge geändert. Auf die verlässt sich aber der MyBib-Parser, um an die Titelangaben und den Ausleihstatus zu kommen (ein Don’t-Do, ich weiss…). Eine Notfall-Rettungsaktion hat diese Lösung jetzt wieder zum Laufen gebracht, allerdings noch kruder umgesetzt, als vorher schon.

Die Angaben von COinS-Daten ist jetzt natürlich auch die Chance für MyBib, strukturierte Daten entgegen zu nehmen und die oben erwähnte Zwischenlösung endlich los zu werden. Kennt oder hat  jemand einen PHP-Parser für COiNS? Auch Empfehlungen in anderen Skriptsprachen sind gerne willkommen. Was dann noch fehlt wäre dann die Angabe des Ausleihstatus. Darüber und über mehr zum strukturierten Zugriff auf den GVK schreibt Jakob Voß.

Magisterarbeit zu Social-Tagging in Bibliotheken abgeschlossen

Tagging für das persönliche und kollaborative
Informationsmanagement: Implementierung eines
Social-Software Systems zur Annotation und
Informationssuche in Bibliotheken

Zusammenfassung:

Diese Arbeit behandelt die Umsetzung eines Informationssystems, das in einem Online- Bibliothekskatalog das Speichern von Ressourcen in einem persönlichen Konto und die Vergabe von Schlagworten (den sogenannten Tags) durch die Nutzer ermöglicht. Dieses Prinzip, genannt Social-Tagging, wurde bereits zur Organisation verschiedener Typen von Ressourcen eingesetzt, etwa für Internetlinks, Fotos, Bücher und wissenschaftliche Veröffentlichungen. Die theoretischen Grundlagen von nutzergenerierter Annotation werden dargestellt und es wird auf ihre Verwendung in Bibliotheken eingegangen. Auf der Grundlage der Analyse der spezifischen Situation an der Universitätsbibliothek Hildesheim werden dann die Anforderungen an das geplante System entwickelt und das Systemdesign und die prototypische Umsetzung vorgestellt. Es wird evaluiert, wie das System eingesetzt wird und wie sich das dabei entstehende Schlagwortsystem, die sogenannte Folksonomie, entwickelt. Zum Abschluss werden weitere Funktionalitäten vorgestellt, die in einem solchen System umgesetzt und evaluiert werden können.

Die Arbeit ist natürlich eher systemorientiert, schließlich geht es um myBib. Der theoretische Teil ist jedoch auch recht ausführlich geraten. Vor allem hat mich dabei die Navigation in Folksonomies interessiert. Aufgrund des Vorhandenseins einer Verschlagwortung in der Bibliothek habe ich mich auch um einen Vergleich zwischen Tagging und professioneller Verschlagwortung und Kategorisierung gekümmert. Die Evaluierung des Systems stützt sich vor allem auf statistisch/quantitative Maße, aber auch die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter den Nutzern sind sehr interessant. Viel Spaß gemacht hat mir dann der Ausblick, mal schauen was sich davon verwirklichen lässt… und wer mir dabei vielleicht zuvorkommt?

Update: Magisterarbeit geringfügig überarbeitet: kleinere Korrekturen und 1 neuer Absatz – Danke auch an meinen Betreuer Thomas Mandl für die Hinweise.

Download (1,6 mb): Magisterarbeit: Tagging für das persönliche und kollaborative Informationsmanagement

Downtime – Uptime

Hallo und Entschuldigung für die Auszeiten!

myBib war jetzt zum zweiten mal down. Letzte Woche gab es bereits ein Problem mit der Verbindung des myBib-Servers mit dem Bibliotheks-Server auf dem der Opac läuft. Die Startseite funktionierte zwar, aber einzelne Ressourcen waren nicht mehr abrufbar. Gedauert hat das ungefähr 1St – 1Tag (???).

Daraufhin wurde mybib schnell auf den alten Server umgezogen – keine pretty urls mehr, aber lauffähig.

Dieser Server hat dann wiederum heute morgen schlapp gemacht (schon wieder kurz vor dem Wochenende, wenn in der Uni niemand mehr zu erreichen ist – Murphy’s Schuld?) – Aber diesmal wurde ich gewarnt. Danke an Montastic: The free website monitoring server that doesn’t suck! Ein einfaches, aber großartiges Tool… Auch nicht immer aktuell auf die Stunde, aber hilfreich. Es hat ungefähr 1 Stunde gedauert, da lief myBib wieder auf dem alten Server. Der Datenbankserver war glücklicherweise noch erreichbar, wodurch nichts verloren gegangen ist.

Ab jetzt kann ich also hoffentlich schneller reagieren und werde mir überlegen, ob ich nicht noch einen Server als Ausfallmöglichkeit brauche…

Öffentliche Social-Tagging Dienste in den Opac!

Aus dem Opac heraus taggen

bibsonomy

Möglichkeiten, aus den Opacs in bestehende Social-Tagging Dienste zu exportieren gibt es ja bereits hier und da in Deutschland (KUG in Köln, Heidi in Heidelberg). Langfristig wäre aber dafür die eingebettete Angabe in einem einheitlichen Datenformat besser, damit der Nutzer

sich den Dienst selber aussuchen kann.

Tags im Opac anzeigen

Jakob Voß freut sich über die Spezifizierung eines Hashkeys durch bibsonomy.org, der in vielen Fällen den Abruf von Tags zu einem Titel erlaubt. So können zu (fast jedem) Titel im Opac die Tags angezeigt werden, die auf bibsonomy vergeben wurden. Das halte ich ebenfalls für eine sehr sinnvolle Einrichtung, habe aber den Verdacht, dass die meisten Nutzer, wenn sie einem Link zu einer ihnen unbekannten Seite wie bibsonomy folgen, ersteinmal in Schockstarre verfallen.

Nutzerkontext erhalten

Ich fände es daher schön und nützlich (und dahingehend argumentiere ich auch in meiner Magisterarbeit zu myBib), wenn bei den angezeigten Tags ein Bibliothekskontext nicht ganz verloren ginge. Denn ist man einmal bei bibsonomy gelandet, finden sich dort natürlich auch Publikationen, die für mich als Nutzer in meiner Bibliothek nicht direkt zugänglich sind. Und die Tags, die meine Studienkollegen oder vielleicht meine Dozenten hinterlassen haben gehen im Power-Law unter.

Ich glaube, dass beides gleichzeitig möglich sein sollte: eine (oder mehrere) gemeinsame Datenbasis(-en) und gleichzeitig ein lokaler Kontext. Also eben keine Datensilos einzelner Bibliotheken, wie Lambert Heller berechtigterweise kritisiert. Aber ein lokaler Bereich hat eben durchaus seine Daseinsberechtigung, wie auch Patrick Danowski findet. Eine mögliche Alternative, die beides vereint und eine sehr gute Lösung sein könnte, schlägt Lambert Heller gleich mit vor:

„Uebrigens kann man sich natuerlich ein Datenaggregat wuenschen, das nur die Tags, Kommentare etc. der lokalen Benutzer enthaelt.“

Dafür sind meiner Meinung nach 2 Funktionen notwendig:

  1. Die Zuordnung von Nutzern zu einer Community innerhalb des größeren Portals (z.B. zu einer lokalen Bibliothek oder auch zu einer Fachcommunity), damit diese sich die Tags und Ressourcen anzeigen lassen können, die aus ihrem Umfeld kommen.
  2. Die Abfrage der Verfügbarkeit einer Ressource. So können Nutzer die Anzeige auf die Titel einschränken, die für sie auch zugänglich sind.

Prinzipiell wäre ersteres bereits durch die Gruppenfunktion von bibsonomy möglich. Nutzer könnten sich über ein Interface der Bibliothek eintragen (dank der bibsonomy-API) oder sich später von selber in eine Gruppe einordnen und sich ggf. identifizieren. Innerhalb des Opacs könnte dann bibsonomy.org über die API abgefragt und entsprechende lokale Ergebnisse angezeigt werden.

Dazu fehlt dann noch eine Filterfunktion, die die angezeigten Ressourcen auf das, was die Bibliothek (oder die Fernleihe etc.) hergibt, einschränkt.

Vielleicht bringt das ja auch mehr Feedback aus dem persönlichen Umfeld und erhöht so am Ende sogar die Motivation zu taggen…?

„Richtig“ taggen…

Zwei sehr interessante Fragen, mit denen bereits mehrere Nutzer auf mich zu gekommen sind:

  • Darf ich bereits vorhandene Schlagworte nochmal als Tag vergeben?
  • Darf ich tags für ein Buch vergeben, dass ich noch gar nicht in der Hand hatte?

Anscheinend liegen hier in einem akademischen Bibliothekskontext besondere Unsicherheiten vor. Mir selber wären diese Fragen gar nicht gekommen – wahrscheinlich aus dem Verständnis, dass ich bei der Benutzung von anderen Tagging-Diensten entwickelt habe. Verständlich aber, dass sich myBib nicht so anonym anfühlt wie z.B. del.icio.us… Zum einen wegen des stärker lokal gebundenen Kontextes (man kennt sich). Zum anderen aber wahrscheinlich auch wegen der relativ geringen Zahl an Tags, die zur Zeit insgesamt im System vorhanden sind. Jedes neue Tag bekommt so natürlich eine höhere Aufmerksamkeit.

Zusätzlich zu den Motivationen zur Tagvergabe müssen jedenfalls auch restriktive Überlegungen bedacht werden. Wie genau muss ich die Ressource kennen, um die Tags zu finden, die am besten geeignet sind? Hilft es mir (oder irgendjemandem) wenn ich ein bereits als Schlagwort vergebenes Wort als Tag benutze? Darf ich überhaupt ein nur auf mich persönlich gerichtetes Tag wie ‚zurückgeben‘ in den öffentlichen Raum stellen?

Um diese Fragen zu beantworten, hilft (hoffentlich) Zeit und Erfahrung: Dass Tags mit sehr persönlichem Charakter nicht allzu sichtbar sind (z.B. in der tagcloud), wenn sie nur von einer Person vergeben werden, sieht man als Nutzer erst nach einiger Zeit. Dass man mit der Vergabe eines bereits vergebenen Schlagwortes zumindest nochmal die eigene Empfehlung ausdrückt: Das Buch passt zu dem Thema. Dass man durchaus, auch wenn man ein Werk selber noch nicht kennt, ja trotzdem schon durch die bibliographischen Angaben eine ungefähre Vorstellung davon hat. Je nachdem wie sicher man sich ist, kann man auf dieser Grundlage schon die Tags vergeben, die einem selber weiterhelfen würden, den Titel wiederzufinden.

Das wären natürlich nur meine persönlichen Antworten. Aber vielleicht sind die Mechanismen, die hier am Werk sind ja wirklich andere. Ich hoffe, in nächster Zeit durch die Analyse der vergebenen tags in dieser Beziehung etwas weiterzukommen. Zumindest scheinen schonmal nicht allzuviele Titel „privat“, also für andere unsichtbar, gespeichert zu werden (Default-Einstellung ist – natürlich – öffentlich…)

Pretty, pretty URLs

Es ist getan! URLs eintippen wird einfacher…

Ich bin jetzt auf einen neuen Server umgezogen:

  1. ist dort app01.iw. als subdomain vor uni-hildesheim.de nicht mehr notwendig. Statt dessen schreibt man jetzt einfach http://uni-hildesheim.de/mybib – mit einem optionalen www davor. Bisher gabs von dort aus nur eine Umleitung…
  2. ist das index.php verschwunden:

Der Grund für Schönheitsoperation No. 2 ist, dass mir auf dem neuen Server jetzt apache’s mod_rewrite zur Vergügung stellt. Damit können URLs server-intern fast beliebig umgeschrieben werden. Empfohlen wird dies häufig für Suchmaschinenoptimierung – mir war es aber eher wichtig, dass man auch mal eine Url schriftlich angeben kann:

http://uni-hildesheim.de/mybib/tag/<tag&gt; – z.B. kann man so nach einem Referat die Literatur weitergeben

Ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nicht, ob außer mir noch irgendjemand auf schöne URLs achtet. Wenn ja, meldet euch!

Tagging-Motivationen: Der Weg zur Tageingabe

Verschiedene Veröffentlichungen* beschäftigen sich mit dem Thema, welche unterschiedlichen Motivationen die Tagger da draussen ‚in the wild‘ antreibt, ihre Tags zu vergeben. Was mir dabei fehlt, ist eine klarere Trennung zwischen den beiden Vorgängen ‚Publizieren‘ und ‚Taggen‘. Schließlich kann man jeweils auch das eine ohne das andere haben. Und das Publizieren stellt ja zunächst in den meisten Fällen meist noch den größeren (?) Aufwand dar (Bilder hochladen, ein bookmark nicht im Browser speichern sondern eventuell zusätzlich noch auf der social-bookmarking-site).

Eine Ressource überhaupt im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen, dürfte also aus einer ursächlichen, mehr oder weniger rationalen, Primärmotivation erfolgen. Will ich, dass eigene Erzeugnisse (bedeutender Blogeintrag, tolles Foto) anderen Menschen zugänglich sind, ist die Primärmotivation natürlich schon gefunden. Anders ist es mit einem Bookmark, etwa auf Delicious. Der Aufwand, dort zu veröffentlichen, dürfte für die meisten größer sein , als den Link im Browser zu speichern (so sie nicht z.B. das entsprechende Firefox-Plugin benutzen). Hier kommen verschiedene pragmatische Gründe ins Spiel, wie etwa die Rechnerunabhängigkeit und die hoffentlich längerfristige Speicherung. Genausogut oder auch zusätzlich kann auch das Teilen selber die Motivation sein.

Hat man dann erstmal das Tagging-Eingabe Feld vor sich, können meiner Meinung nach aber noch verschiedenen Motivationen hinzukommen. Denn an diesem Punkt ist der Aufwand für jedes zusätzliche Tag vergleichsweise gering und daher kann man in diesem Moment den Motivationen folgen, die einem gerade in den Sinn kommen. Jetzt kommt z.B. erst der Gedanke, zu überlegen, unter welchem Begriff andere Nutzer das Objekt als nützlich empfinden können oder welche Begriffe den Inhalt am besten bewerten – auch wenn man das Objekt ursprünglich gar nicht zu diesem Zweck gespeichert hatte. Für den begeisterten Tagger mag dann auch eine große Input-Box schon motivierend genug sein:

* z.B. Morgan Ames und Mor Naaman ‚Why we tag: motivations for annotation in mobile and online media‘ (2007) (bibtex / acm)

myBib-Community in Zahlen

Alle Angaben mit / ohne eigene Aktivitäten:

  • myBib-Nutzer: 23 / 20
  • einzelne Ressourcen: 222 / 70
  • unterschiedliche Tags: 330

In Zukunft werden hier weitere Kennziffern ergänzt…

offizielle Literaturempfehlungen

Da natürlich angedacht ist, dass auch Dozenten und Institute und andere ‚offiziellen‘ Akteure das Bibliotheks-Tagging-System nutzen sollen, habe ich jetzt einfach mal selber Hand angelegt um einen, wie ich finde, interessanten Anwendungsfall von Tagging in Bibliotheken auszuprobieren. Mein Institut, das IfAS, veröffentlicht eine Liste von Literaturempfehlungen. Dabei handelt es sich um Grundlagenliteratur zu verschiedenen Fachgebieten innerhalb der Sprachwissenschaft. Diese Literaturempfehlungen habe ich jetzt zur Hälfte nach myBib übertragen.

Der Das Tag ifas_literaturempfehlung, das ich für jede der Ressourcen vergeben habe, soll diese – sozusagen qualitativ gesicherte – Empfehlungen im System sichtbar machen. Die Titel sind unter einem Nutzer mit dem Namen ifas gespeichert. Insgesamt sind die Empfehlungen somit über den Nutzer unter users_ressources/ifas/all (verlinkt bei allen gespeicherten Ressourcen) und über den Tag unter tag/ifas_literaturempfehlung einsehbar.

Da die Liste erfreulicherweise nach Themengebieten kategorisiert ist, habe ich diese gleich für jeden Titel als Tag angegeben, Ober- und Unterkategorien auf einem Level, folksonomy-flach eben. Praktisch, dass die Hierarchie trotzdem nutzbar bleibt: Sobald ein Tag ausgewählt wird, erscheinen unter ‚Verwandte Tags‘ (die gemeinsam mit einem Tag vergebene Tags) die entsprechenden Unterkatorien (aber auch die Unterunterkategorien – und die Oberkategorien, so sie noch nicht ausgewählt sind). Es wird interessant sein, zu beobachten, ob Nutzer ihre Suche auf diese Weise verfeinern. So sieht das ganze z.B. für den dasTag ‚Sprachwissenschaften‘ aus:

verwandte tags zu tag sprachwissenschaft

Dabei ist das Konzept (<selbstkritik>und dessen Darstellung</selbstkritik>) der Schnittmengenbildung wohl für viele User zu technisch, und zu wenig selbsterklärend. Zumindest hat sich das in meinen ersten Benutzertests abgezeichnet… Für Vorschläge, wie man diese doch sehr hilfreiche Funktion besser darstellen kann, wäre ich dankbar. Zur Zeit halte ich mich relativ eng an die Vorlage von bibsonomy.org.

Sehr gefreut habe ich mich, als ein aufmerksamer Nutzer dann einen von mir noch nicht eingetragenen Titel aus der Liste mit dem Tag ifas_literaturempfehlung versehen hat. Entweder, die Literaturempfehlungen waren schon bekannt, oder meine Quellenangabe, die ich sicherheitshalber bei jedem Titel zusammen mit Anmerkungen aus der Institutsliste als Nutzerkommentar eingetragen habe, hat geholfen. Aus Sicht der Nutzer mit ‚offiziellem‘ Status (Institute, Dozenten, Bibliotheksfachkräfte, Forschungsgruppen, Fachschaften…) wäre es aber sicherlich wünschenswert, wenn zumindest die Identität aus dem Nutzernamen hervorgeht und als verifiziert angezeigt wird. Aus meiner Sicht dürfte das ausreichen. Ich spiele aber auch mit dem Gedanken, spezielle Tags einzuführen, für deren Vergabe spezielle Rechte notwendig sind und die prominenter angezeigt werden, etwa nach dem Muster: ~[nutzername]:[tag]: ~ifas:literaturempfehlung. Qualitätsgewinn oder Demokratieverlust?

Erschreckend war allerdings, dass einige der aufgeführten Titel in unserer Bibliothek gar nicht vorhanden sind. Zugegebenermaßen sind einige Titel noch nicht erschienen – ein überzeugendes Argument. Das war aber bestimmt nicht für alle der Fall. Und alles, was nicht im OPAC aufrufbar ist, für mein System leider unsichtbar. Dabei hätte ich in dieser Situation liebend gerne das Tag ‚anschaffen_aber_schnell‘ vergeben… Ich überlege, ob ich die fehlenden Ressourcen nicht der Reihe nach zur Anschaffung vorschlage (zur Zeit leider wg. Geldmangels geschlossen) Wenn mir jemand dabei helfen möchte, veröffentliche ich hier gerne eine Liste…

Hoffentlich überlädt nicht schon die Masse an Titeln die filigrane Struktur der zur Zeit noch sehr kleinen Community: Andere, ehrgeizige Tagger könnten sich abgeschreckt fühlen. Ich werde den Nutzer ifas bei Gelegenheit mal aus der Liste der aktivsten Nutzer nehmen.


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