Tagging-Motivationen: Der Weg zur Tageingabe

Verschiedene Veröffentlichungen* beschäftigen sich mit dem Thema, welche unterschiedlichen Motivationen die Tagger da draussen ‚in the wild‘ antreibt, ihre Tags zu vergeben. Was mir dabei fehlt, ist eine klarere Trennung zwischen den beiden Vorgängen ‚Publizieren‘ und ‚Taggen‘. Schließlich kann man jeweils auch das eine ohne das andere haben. Und das Publizieren stellt ja zunächst in den meisten Fällen meist noch den größeren (?) Aufwand dar (Bilder hochladen, ein bookmark nicht im Browser speichern sondern eventuell zusätzlich noch auf der social-bookmarking-site).

Eine Ressource überhaupt im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen, dürfte also aus einer ursächlichen, mehr oder weniger rationalen, Primärmotivation erfolgen. Will ich, dass eigene Erzeugnisse (bedeutender Blogeintrag, tolles Foto) anderen Menschen zugänglich sind, ist die Primärmotivation natürlich schon gefunden. Anders ist es mit einem Bookmark, etwa auf Delicious. Der Aufwand, dort zu veröffentlichen, dürfte für die meisten größer sein , als den Link im Browser zu speichern (so sie nicht z.B. das entsprechende Firefox-Plugin benutzen). Hier kommen verschiedene pragmatische Gründe ins Spiel, wie etwa die Rechnerunabhängigkeit und die hoffentlich längerfristige Speicherung. Genausogut oder auch zusätzlich kann auch das Teilen selber die Motivation sein.

Hat man dann erstmal das Tagging-Eingabe Feld vor sich, können meiner Meinung nach aber noch verschiedenen Motivationen hinzukommen. Denn an diesem Punkt ist der Aufwand für jedes zusätzliche Tag vergleichsweise gering und daher kann man in diesem Moment den Motivationen folgen, die einem gerade in den Sinn kommen. Jetzt kommt z.B. erst der Gedanke, zu überlegen, unter welchem Begriff andere Nutzer das Objekt als nützlich empfinden können oder welche Begriffe den Inhalt am besten bewerten – auch wenn man das Objekt ursprünglich gar nicht zu diesem Zweck gespeichert hatte. Für den begeisterten Tagger mag dann auch eine große Input-Box schon motivierend genug sein:

* z.B. Morgan Ames und Mor Naaman ‚Why we tag: motivations for annotation in mobile and online media‘ (2007) (bibtex / acm)

3 Responses to “Tagging-Motivationen: Der Weg zur Tageingabe”


  1. 1 Teresa April 12, 2008 um 7:25 pm

    Man sollte aber an dieser Stelle nicht vergessen, dass viele Nutzer anfangs zunächst gar nicht an das „Publizieren“ denken! Als ich zum Beispiel angefangen habe, Delicious zu nutzen, habe ich das zunächst ausschließlich für mich getan, damit meine Lesezeichen rechnerunabhängig gespeichert sind. Motivation war bei mir auch, dass mein Rechner langsam kaputt geworden ist und ich nicht wollte, dass meine Lesezeichen verloren gehen. :-) Erst mit der Zeit habe ich den sozialen Aspekt von Delicious schätzen gelernt und angefangen bewusster zu taggen.

  2. 2 mybibproject April 13, 2008 um 1:24 pm

    Richtig. Mit ‚Publizieren‘ meinte ich einfach den Vorgang, eine Ressource online verfügbar zu machen, der ja der Tagvergabe selber vorangehen muss. Und dafür kann es, wie in deinem Beispiel, auch ganz andere Gründe geben als das Teilen der Ressource mit anderen Nutzern.


  1. 1 “Richtig” taggen… « myBib Projekt-Blog Trackback zu Mai 1, 2008 um 6:18 pm

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